Eine ausführliche Darstellung der geförderten Projekte 2010 und 2011 gibt es hier:
Tätigkeitsbericht Sommerblut e.V. 2010-2011

English version: Tätigkeitsbericht Sommerblut e.V. 2010-11 englisch

Durch die Initiative und Unterstützung des Fördervereins konnten in den letzten Jahren folgende Projekte realisiert werden:

2012

„Anderland“ ist ein Theaterprojekt der Regisseurin Barbara Wachendorff zusammen mit dem Sommerblut Kulturfestival e.V., welches fünf Menschen mit Demenz als Experten ihrer Lebenswelt zu Protagonisten auf der Bühne macht. Zur Seite stehen Ihnen dabei fünf professionelle Schauspieler und zwei Musiker. Die Theaterproduktion interessiert sich zum einen  für die biographische Lebenswelt der dementen Mitspieler, zum anderen aber auch für diese Hilflosigkeit im Miteinander, zwischen Pflegenden und Betroffenen, für  die Konflikte, die Aggressionen, die durch das Missverstehen entstehen.

„changeABLE cohesion“ der mixed-abled DIN A 13 tanzkompanie mit der Choreographie von Gerda König zeigen sechs TänzerInnen, zwei Frauen und vier Männer, drei mit und drei ohne körperlicher Behinderung: geboren in eine Zeit hinein, in der sich alltägliche Momenten in unvorhersehbare Bedrohung verwandeln, vertraute Strukturen unsicher werden und Gefahren in sich bergen können.

„La Luna“ behandelt Leben und Schaffen von Federico Garcia Lorca, der zu den bedeutendsten spanischen Autoren des 20. Jahrhunderts zählt. Angeregt durch sein Werk hat das Ton und Kirschen Wandertheater besondere Gedichte und Stücke ausgewählt und diese in Farben, Töne, Musik, Bewegung und Formen umgesetzt.

„Über das Leben“ ist ein Theaterstück über den Alltagswiderstand in der NS-Zeit. Mit Live-Musik, Schauspiel und Tanz taucht es ein in eine Welt voller Angst und Schrecken und erzählt von Schicksalen, Freundschaft und Feindschaft. Ein Theaterprojekt von movingtheatre.de (Köln), theaterspiel (Witten), theater-machen (Berlin) und den Duisburger Philharmonikern in Kooperation mit dem Sommerblut Kulturfestival (Köln), dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, dem Freundschaftsverein Tczew-Witten e.V., dem VVN-BdA e.V. und dem Comedia Theater (Köln).

Mit „Bartsch – Kindermörder“ verfasste Oliver Reese anhand von Schriftstücken das Ein-Personen-Stück über einen Mann, der im Alter von 15 Jahren das erste Mal ein Kind tötete. Der Regisseur Hans Poeschl und der Schauspieler David Imper zeichnen in dem Theatermonolog einen Menschen, der unter psychischen Störungen litt, in seiner Kindheit selbst missbraucht wurde und später bei der Operation zu seiner Kastration starb.

In der Ausstellung „Lost Kids: Underage Prostitution in Thailand – Berlin Alexanderplatz“ werden die bedrückenden Werke zweier Fotografen ausgestellt, die in ihren Arbeiten einen eindringlichen Blick auf unsere Welt werfen. Der Potsdamer Fotograf Göran Gnaudschun macht seit April 2011 Fotos der Szene am Berliner Alexanderplatz. Eine noch hoffnungslosere Welt von verlorenen Leben zeigen die Aufnahmen des thailändischen Fotografen Ohm Phanphiroj von minderjährigen, männlichen Sexarbeitern in Bangkok.

„Wir sind Menschen“ ist eine künstlerische, spirituelle, dialogische Feier, die zu einer offenen, aber auch provozierenden Auseinandersetzung einlädt. Es geht um Sichtweisen von Sexarbeiterinnen, Homosexuellen und Transgender, damit verbundene Vorurteile und die Frage nach der Deutungshoheit. Es geht um die Würde, es geht um das Leben.

2011

Mit dem jüngsten Stück wurde in Zusammenarbeit mit dem contergangeschädigten Regisseur Niko von Glasow ein Theaterstück auf die Bühne gebracht, in dem das Thema Casting im Mittelpunkt stand. In „Niko von Glasow`s Alles wird gut“ ging es um 14 Menschen mit körperlichen und geistigen Seltsamkeiten, die sich bei der größten Castingshow Deutschlands bewerben und auf die Chance ihres Lebens hoffen. Stattdessen wurden sie aber in einen Warteraum abgeschoben und schließlich vergessen. Entgegen der zu erwartenden Selbsterniedrigung durch die Medien haben sie dann jedoch echte Gefühle wie Freundschaft und gegenseitige Wertschätzung erfahren.

“Out trips” war „site specific theatre“ und eine Produktion des Kölner Jugendzentrums anyway vom Sozialwerk für Lesben und Schwule e.V. in Kooperation mit dem Sommerblut Kulturfestival. Unter Leitung der beiden TheaterpädagogInnen Charlott Dahmen und Stephan Isermann entwickelten 20 junge Menschen im Alter zwischen 15 und 27 Jahren diese Performance: Sie widmeten sich dabei aus ihrer Sicht wichtigen Aspekten lesbisch-schwul-bi-trans-Lebens zu verschiedenen Zeiten, schickten Rollenbilder in die Bedeutungslosigkeit und entwickelten ihre eigene Utopie einer multisexuellen Gesellschaft in 2099.

Ist unser Gedächtnis etwa visuell, unberührbar und geräuschlos? Dagegen sprach die Ausstellung Blinde Flecken, die zusammen mit dem Verein Blinde und Kunst im Studio in Köln realisiert wurde. In ästhetisch feinen soundscapes-artigen Aufnahmen wurden akustische Umwelten hautnah hörbar gemacht. Diese führten nicht in die Welt Blinder, sondern in eine auch für Sehende erfahrbare Welt. Die Ausstellung war ein Audioprojekt, das innerhalb des europaweit einzigartigen Gemeinschaftsprojektes Ohrenblicke – Radiokunst von Blinden und Sehenden realisiert wurde und die Weiterentwicklung der Hörkunst sowie die Vernetzung mit anderen Städten Europas zum Ziel hatte.

2010

In Koproduktion mit dem Theater HORA Zürich und dem Freien Werkstatt Theater Köln (FWT) konnte in Zusammenarbeit mit professionellen SchauspielerInnen und MusikerInnen mit und ohne geistige Behinderung aus Deutschland und der Schweiz ein theatrales Traumgebilde inszeniert werden. Die Theaterproduktion „menschen! formen!“ feierte in Köln Premiere und wurde anschließend auf weiteren nationalen und internationalen Bühnen aufgeführt.

In Kooperation mit dem Theaterensemble „GOLD & EDEN“ wurde das Stück „Lichtschattengewächse“ inszeniert, dass sich mit den biografischen Erfahrungen von Lesben und Schwulen im Alter auseinandersetzte.

„Out Takes“ machte die Wünsche, Träume und Erfahrungen Jugendlicher aus 3 Kölner Stadtteilen zum Dreh- und Angelpunkt der Performance. Unter professioneller Leitung entstand aus Musik, Tanz und Video eine vielschichtige Bühnenschau.

2009

Im Rahmen einer Kooperation mit der Blindenstudienanstalt Marburg fanden blinde und sehbehinderte sowie sehende TänzerInnen zu dem Tanztheater “Blind Date” zusammen. Die seit Jahren erfolgreichen Tanzchoreografen Philip Taylor und Regisseurin Karin Winkelsträter begaben sie sich zusammen mit ihren Tänzer/Innen auf die Suche nach den vielen Facetten von Einsamkeit, Nähe, Liebe und Beziehung zwischen sehenden und blinden Menschen.  Das uneingeschränkte Einlassen aller blinden und sehenden sechs Tänzer/Innen auf diese Thematik, führte  zu einer beeindruckenden Choreografie über das Alleinsein, über Annäherung, Zusammensein, Verschmelzung, Verlust, über das große Menschenthema Liebe.

2008

Die Produktion “7 x K”, ein ein Tanzprojekt mit gehörlosen und hörenden TänzerInnen, in Kooperation mit der tanzfabrik.wien, wurde mit großem Erfolg realisiert.

2007

Mit dem Mixed-abled-Ensemble “DIN A 13 tanzcompany” unter der Leitung der Choreografin Gerda König wurde mit “SexID” eine außergewöhnliche Tanzproduktion mit körperbehinderten und nicht-behinderten TänzerInnen entwickelt. Zusammen begaben sie sich auf die Suche nach den vielen Facetten der „Geschlechterrollen und Sexualität“. Gerda König: „Ein anspruchsvolles, interessantes aber auch schwieriges Thema“. Das uneingeschränkte Einlassen aller 6 TänzerInnen auf diese spannende Thematik, führte im Ergebnis zu einer beeindruckenden Choreografie über das Begehren. Die Produktion wurde zu einem Highlight des Festivals und gewann den Theaterpreis 2007.