Sommerblut geht in die zweite Dekade! Nach dem zehnjährigen Jubiläum im letzten Jahr haben wir – in bester Sommerblut-Manier – leidenschaftlich und kontrovers über unser Profil und unsere Ziele diskutiert. Wir wollen uns auf den Punkt bringen und mit einem eindeutigen Profil die Zukunft in den Blick nehmen. Mit Stolz haben wir ein Ergebnis gefunden, welches alle Sommerblut-Facetten in sich vereinigt:

Sommerblut – Festival der Multipolarkultur!

Wir haben uns für diesen Zusatz entschieden, weil er besser als jeder andere Begriff die unterschiedlichen Pole von Sommerblut aufgreift, sie miteinander verbindet und in Dialog bringt. 2012 wird Sommerblut noch mehr als sonst ein Programm auf die Beine stellen, welches an die Grenzen normaler Sehgewohnheiten stößt und diese auch überschreiten wird. Viele Beiträge inszenieren Tabubrüche und regen gesellschaftliche Diskurse an. Das Festival nähert unterschiedliche Sichtweisen einander an, die mitunter verstören, dann auch wieder verbinden oder versöhnen. Sommerblut lädt ein zu einem Perspektivwechsel, in Richtung einer grenzüberschreitenden, mutigen – eben einer multipolaren Kunst und Kultur.

Das heißt: mit ausgewähltem Programm mehr Inhalte bringen. Wir verbannen etablierte Programme und meiden ausgetretene Pfade. Multipolare Kultur, wie wir sie meinen, wird in den nächsten Jahren frischen Wind in die Kunst bringen. Unser Festival wird freie Bahn für soziale Bewegungen schaffen. Sommerblut wird innovativer Diskurs in der Kultur sein.

Die Eröffnung am 10. Mai setzt vor diesem Hintergrund ein erstes Zeichen. Das Opening im Club Bahnhof Ehrenfeld gibt einen Vorgeschmack auf ein spannendes, vielfältiges, zugespitztes und differenziertes Festival.

Unser thematischer Schwerpunkt ist in diesem Jahr das gesellschaftspolitische Thema Demenz. Die Regisseurin Barbara Wachendorff zeigt das Theaterprojekt „Anderland“, bei dem vier Menschen mit Demenz zusammen mit vier professionellen Schauspielern die Protagonisten auf der Bühne sind. Mit einem umfangreichen Rahmenprogramm für demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen solidarisiert sich Sommerblut darüber hinaus mit dem persönlichen Schicksal der Betroffenen.

Bei der Brustkrebs-Gala „Pink Ribbon meets…“ stehen Künstler/innen auf der Bühne, um gemeinsam für die Heilung von Brustkrebs zu kämpfen. Unter dem Motto “Lachen heilt” formiert sich  ein Abend der Powerfrauen, die mitreißen und mit Energie, Entertainment und Engagement zeigen, dass gute Unterhaltung mehr als helfen kann.

Buchstäblich über normale Sehgewohnheiten hinaus geht „Black out“ des Vereins „Blinde und Kunst“. Theaterraum, Bühne und Tresen sind absolut dunkel. Musiker, Schriftsteller, Schauspieler, ein Magier, alle im normalen Leben blind oder sehend, treten gemeinsam auf.  Hier merkt niemand mehr einen Unterschied. Schwarzer Kaffee pur für Ohren und Geist.

„Begegnungen“ heißt es bei der Contergan-Gala. Hier finden von Contergan geschädigte Menschen einen Raum für den Austausch mit Politik, Wirtschaft und Medien, um so den Prozess der Verständigung weiter voranzutreiben. Ein hochkarätiges Programm mit engagierten Künstlern unterstützt dabei!

„Wir sind Menschen“: die künstlerische, spirituelle und dialogische Feier lädt ein zu einer offenen und provozierenden Auseinandersetzung weit über jedes gesellschaftliche Schubladen-Denken hinaus. Es geht um Sichtweisen von Sexarbeiterinnen, Homosexuellen, Transgender und damit verbundenen Vorurteile. Ein grenzüberschreitendes Programm aus Table Dance, Sinfonie-Orchester und speziellen Gästen sorgt für Gänsehaut jenseits aller Grenzen.

Unser Dank geht an alle, die Sommerblut in den vergangenen Jahren und auch dieses Jahr unterstützt und mitgetragen haben. Die Künstler, die Sponsoren, die Ehrenamtler, die Vereinsmitglieder und natürlich Sie, die BesucherInnen des Festivals. Wir freuen uns auf eine Zeit, in der wir alle das Festival der Multipolarkultur neu erleben und entdecken werden. Lassen Sie uns gemeinsam Brücken schlagen zwischen Gegensätzen und Unterschieden!

Ihr Rolf Emmerich (Festivalleiter) und der Vorstand des Sommerblut Kulturfestival e.V.